Collection

Pablo Picasso

1881–1973

Le chef-d’œuvre inconnu – Das unbekannte Meisterwerk, 1927
Text von Honoré de Balzac, Buch mit 12 Radierungen und 67 Holzschnitten
Radierung und Holzschnitt auf Rives-Bütten / 33 x 26 x 3 cm / gr. 4 ° (Buch)
Verlegt von Éditeur Ambroise Vollard, Paris 1931, Exemplar 147/305
Inv.-Nr. 2008II.009 / Schenkung Dr. Irmgard Feldhaus 2008

Den direktesten Einblick in das Selbstverständnis Pablo Picassos bieten seine Druckgrafiken. Ein Meilenstein ist diesbezüglich die Illustration zu „Das unbekannte Meisterwerk“ von Honoré de Balzac. Picasso illustriert nicht die Novelle, sondern kommentiert vor allem in 13 Radierungen ihr zentrales Thema – die Frage, ob es das „eine“ Meisterwerk im Schaffen eines Künstlers geben kann. Die Alter Ego-Figur des Künstlers ist in diesem Zyklus als Maler und Bildhauer tätig. Sie erscheint in unterschiedlichen Lebensabschnitten, wodurch das kreative Arbeiten als lebenslange Gabe dargestellt wird. Seine bevorzugte Arbeitsweise visualisiert das achte Blatt: Die Darstellung des Frauenakts ähnelt dem Modell, seiner damaligen Geliebten Marie-Thérèse Walter, lässt aber auch einen nicht aus der Beobachtung resultierenden Kompositionsansatz erkennen. Picasso bevorzugt also ein von der Beobachtung und der Fantasie gleichermaßen getragenes Schaffen. Unabhängig vom Alter will er zahlreiche wichtige Werke schaffen und sich immer wieder neu erfinden. Anders als der Protagonist der Novelle hält Picasso die Vollendung eines einzigen Meisterwerks für eine zum Scheitern verurteilte Aufgabe.

 

BU Abb Blatt 8:
Arbeitende Maler, aus: Le Chef-d'Œuvre Inconnu, Radierung, Blatt 8, 1927
BU Bibel:
Erschaffung des Menschen,
aus: Bibel, Blatt 1, 1931–1954