Grenzenlose Gaumenfreuden.
Römische Küche in einer germanischen Provinz

10. September 2010 bis 16. Januar 2011

Ob Rübe, Zwiebel oder Sellerie, Apfel, Birne oder Kirsche und Huhn: Die Römer trugen heute vertrautes Gemüse, Obst und Geflügel erstmals in die Provinzen ihres Reiches. In den germanischen Provinzen sicherten römische Landgüter die Versorgung der Militärlager, Städte und Dörfer. Selbstverständlich verzichtete der fern der Heimat lebende Römer auch hierzulande nicht auf die gewohnten Genüsse – und so erreichten Olivenöl, Fischsauce und Wein, Feigen, Datteln und Pfefferkörner als luxuriöse Importware den Nordwesten des Imperiums.
Am Beispiel der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) und deren Umland wurde die kulinarische Romanisierung einer Region nachgezeichnet – vom Anbau bis zum Gelage: Einheimische und mediterrane Speisegewohnheiten verbanden sich zu einer im doppelten Sinne „grenzenlosen" Gaumenfreude.
In der Ausstellung wurde aber nicht nur das zivile, sondern auch das militärische Leben beleuchtet. Wie sah die Ernährung der Soldaten aus, denen hohe körperliche Leistungen abverlangt wurden?
Die in Kooperation mit dem Labor für Archäobotanik der Universität zu Köln erarbeitete Ausstellung zeigte, dass sich schon vor 2000 Jahren am Niederrhein eine verfeinerte Esskultur etablierte. Dabei gaben nicht nur kürzlich ausgegrabene Funde aus dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege und Antiken aus dem LVR-Landesmuseum Bonn und dem Römisch-Germanischen Museum Köln, sondern auch neue archäobotanische Forschungsergebnisse spannende Einblicke in die Esskultur vor 2000 Jahren. Damit die Sinne nicht zu kurz kamen, gabt es für Jung und Alt vieles zum Anfassen, Ausprobieren, Sehen und Hören.

 

 

 

Die weite Ferne so nah –
Johann Wilhelm Schirmers Reiseskizzen

25. April bis 1. August 2010

Ausgehend vom Rheinland unternahm Johann Wilhelm Schirmer zahlreiche Reisen durch Europa und hielt in seinen Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen die regional unterschiedlichen Landschaften, Vegetationen, Architekturdenkmäler und Menschen fest.
Das über 140 Arbeiten umfassende Konvolut des Clemens-Sels-Museums Neuss dokumentiert den künstlerischen Werdegang des Malers, der ihn von Neuss über die Schweiz und Italien bis nach Frankreich führte. Im vergleichenden Nebeneinander mit ausgesuchten Leihgaben veranschaulichten die Blätter, inwieweit die Studien Eingang in seine Gemälde fanden. Darüber hinaus wurden ihre weiteren Funktionen für den Künstler wie die Erweiterung seines Motivrepertoirs oder die Verwendung als Lehrmittel für seine zahlreichen Schüler veranschaulicht. Ein besonderes Highlight der Präsentation bildeten die Hörstationen, die anhand der Briefe und Tagebucheintragungen die persönlichen Reiseeindrücke Schirmers wieder lebendig werden ließen. Zudem wurde sein Skizzenbuch von 1831 mittels eines Touchscreens virtuell komplettiert, so dass es erstmals wieder vollständig vorlag.
Die Ausstellung war Teil des Kooperationsprojekts „Johann Wilhelm Schirmer – Vom Rheinland in die Welt“ unter der Schirmherrschaft von Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

  

 

 

Neupräsentation der Kunstsammlung 

28. Februar 2010

Unter dem Motto „Erlebniswelten" wurde die Neupräsentation der Kunstsammlung im Clemens-Sels-Museum Neuss mit zahlreichen Aktionen feierlich eröffnet. Die Schätze sollten ab diesem Zeitpunkt durch eine gattungs- und epochenübergreifende Zusammenstellung neue und überraschende Eindrücke und vielfältige Erkenntnisse vermitteln. Denn wo sonst gibt es in unserem schnelllebigen und bilderüberfluteten Alltag noch visuelle Entdeckungen zu machen als im Museum! Die Unvergleichlichkeit des originalen Kunstwerks hat auch in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit nichts an Faszination verloren. Dieses Potential galt es, im Rahmen der Neupräsentation auszuschöpfen.

Die ausgesuchte Zusammenstellung der Exponate, die durch Ausflüge in die Kulturgeschichte bereichert wurde, ermöglichte es, den Blick für das Besondere zu schärfen, Neugierde zu wecken und zu lebhaften Diskussionen anzuregen. So gab es etwa ein Wiedersehen mit Werken von Johan Thorn Prikker: Neben dem bekannten Gemälde „Der Tauzieher" waren sowohl großformatige Fensterentwürfe für die Neusser Dreikönigenkirche als auch ein von ihm entworfenes Schmuckkästchen mit Holzintarsien zu sehen, die seine charakteristische ornamentale Formsprache in den verschiedenen Gattungen erkennen ließen. Seine Kunstwerke leiteten über zu den Arbeiten seines namhaften Schülers Heinrich Campendonk, dessen monumentaler „Heiliger Julian" nach umfangreicher Restaurierung seine ursprüngliche Strahlkraft wiedererlangt hat. Darüber hinaus lieferten eine unvollendete Zeichnung und eine verworfene Gemälderückseite intime und einmalige Einblicke in den Schaffensprozess dieses bedeutenden Rheinischen Expressionisten.

Auch Max Ernst, der sich aus dem Umfeld des Rheinischen Expressionismus zu einem der namhaftesten Surrealisten in Paris entwickelt hatte, wurde im Rahmen der Neupräsentation ein eigenes Kabinett temporär eingerichtet. Damit erhielt die umfangreiche grafische Sammlung des Clemens-Sels-Museums Neuss erstmals einen festen Präsentationsort.

Die Werke von Max Ernst lieferten Einblicke in die poetischen Experimente und das intellektuelle Umfeld des weltberühmten Künstlers. Seine Bilder wurden ergänzt durch Bücher von Paul Eluard und André Breton, die mit Max Ernst im Kreise der Pariser Surrealisten verkehrten. Dank der großzügigen Leihgabe von Dr. Irmgard Feldhaus wurde die Ausstellung durch die wertvolle Originalausgabe des legendären Collageromans „La Femme 100 Têtes" von Max Ernst aus dem Jahr 1929 bereichert. Die 146 Collagen und Texte des Romans gelten als visuelles Manifest des Surrealismus. Die besondere Wechselwirkung zwischen Kunst, Literatur und Musik konnten die Besucher durch eine Hörstation erleben, an der Auszüge aus der berühmten Vertonung von „La Femme 100 Têtes" des amerikanischen Komponisten George Antheil zu hören waren. Diese surreale Musikcollage von 1932 bis 1933 ließ akustische Assoziationen und Traumbilder zu den Illustrationen von Max Ernst entstehen.

 

 

Blick in den Max Ernst-Raum mit Gemälde und Druckgrafiken, Lesebereich und Hörstation
 
Dr. Irmgard Feldhaus berichtet von ihrer Begegnung mit Max Ernst