SAMMLUNG

Kunst der Naiven

Das Clemens Sels Museum Neuss besitzt eine hochwertige und umfangreiche Sammlung von Werken authentisch Naiver Kunst, die überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind.

Die Bildwerke der Autodidakten, deren individueller Stil sich frei von akademischen Konventionen entwickelt, bieten eine ursprüngliche, im besten Fall visionäre Sicht auf die menschliche Lebenswelt. In den Fokus der Kunstkritik gerät die Naive Kunst am Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist die Malerei Henri Rousseaus, des malenden Zöllners, die das große Interesse der Avantgarde des 20. Jahrhunderts weckt. Viele Künstler der Avantgarde huldigen dem Primitivismus und sehen in seinen einfachen und ursprünglichen Darstellungsformen eine Quelle der Inspiration. Auch Künstler wie Pablo Picasso und Paul Gauguin werden auf Rousseau aufmerksam und begeistern sich für die Ausdruckskraft seiner Bilder. Als erster Sammler engagiert sich der deutsche Galerist Wilhelm Uhde in Frankreich für die Laienmalerei. Die von ihm geförderten „Maler des Heiligen Herzens“ wie Louis Vivin, Séraphine Louis, André Bauchant und Camille Bombois würdigt er 1928 in der gleichnamigen Pariser Ausstellung. In Deutschland ist es Adalbert Trillhaase, der 1919 im Alter von 60 Jahren und unter dem Einfluss seines Freundes Otto Pankok zu malen beginnt und große Bedeutung im Kreis der Künstler des „Jungen Rheinland“ erlangt.