Schöner Wohnen mit Bildern

Von der Guten Stube bis in den Herrgottswinkel

Ein witziger Spruch, Fotos von den Liebsten, ein Nachdruck des Lieblingsbildes, ein Poster der Lieblingsband oder auch des letzten Ausstellungsbesuchs: Selbst wenn unser Leben immer digitaler wird, schmücken wir die eigenen vier Wände noch immer häufig mit vielerlei Schönem auf und aus Papier.
Die Weichen hierfür wurden bereits im 19. Jahrhundert gestellt, als „bunte Bilder“ durch die Erfindung der Lithografie (Steindruckverfahren) endlich für jeden erschwinglich wurden. Ein Blick in die Wohnstuben vergangener Tage führt uns eindrücklich vor Augen, wie sehr die Populäre Druckgrafik zum festen Bestandteil der alltäglichen Lebenswelt in allen Bevölkerungsschichten wurde.

 

 

        

1 Die Gute Stube                                                                                                                                         2 Im Herrgottswinkel

 

3 Mit Bedacht an die Wand gebracht

4 Schutzengel für Arm und Reich

        

5 Bilder für alle! Und für überall                                                             6 Ein Stückchen Geborgenheit

 

7 Wenn Wünsche Bilder werden

 

        

8 Erinnerungen an eine bessere Zeit?                                                                            9 Geschichten in Bildern

 

 

 

 

1 Die Gute Stube
Bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in fast jedem Haushalt auf dem Land und in der Stadt einen Raum, der die "Gute Stube" genannt wurde. Hier fanden sich die besten Möbel und schönsten Dekorationsstücke des Haushalts. Die Wände schmückte man mit Familienfotos, Konfirmationsscheinen und Braut- oder Totenkränzen in Glaskästen. Dieser Raum wurde nur benutzt, wenn wichtiger Besuch kam, etwa der Pfarrer oder der Lehrer, sowie zu Weihnachten und Ostern. Diese Frau aus Minden hat um 1950 vermutlich extra für die Aufnahme ihre traditionelle Tracht angezogen und sich in die "Gute Stube" gesetzt.

 

2 Im Herrgottswinkel
Ein so genannter Herrgottswinkel, wo sich das gemalte oder häufig auch gedruckte Bild eines Heiligen, von Maria oder von Jesus, mit Blumen oder Kerzen geschmückt, befand, gab es bis nach dem Zweiten Weltkrieg in fast jedem Bauernhaus. Manchmal, wie hier auf einem Hof in der Nähe von Ahaus (Foto von 1953), wurde das Bild über der Tür befestigt, damit es jeden segnete, der durch die Tür ging.


3 Mit Bedacht an die Wand gebracht
Ende des 19. Jahrhunderts bedecken die Bilder im Salon eines Oberpostdirektors fast eine ganze Wand. Der große Druck mit einem religiösen Motiv wird gerahmt von zahllosen Fotografien und Städteansichten. Die Vielfalt ist aber doch mit Bedacht arrangiert worden. Der Sekretär und das Sofa stellen jeweils die Fixpunkte dar, über die die Bilder symmetrisch angeordnet sind.

 

4 Schutzengel für Arm und Reich
In vielen Großstädten lebten um 1900 Arbeiterfamilien in furchtbaren Wohnverhältnissen. Familien mit vielen Kindern hatten oft nur einen oder zwei Räume zur Verfügung. Das Leben dieser Kinder unterschied sich grundlegend von dem ihrer Altersgenossen in bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. Aber so unterschiedlich die Verhältnisse auch waren: Über fast jedem Kinderbett hing zu dieser Zeit ein Schutzengelbild, das die Kinder beschützen und an ihren Glauben erinnern sollte.

 

5 Bilder für alle! Und für überall
Im 19. Jahrhundert machten neue Drucktechniken und preiswertes Papier gedruckte Bilder für alle Schichten erschwinglich. Nach und nach wurde es üblich, jeden Raum im Haus mit Bildern zu schmücken, so auch die Küche. Das Foto zeigt eine Frau in Tracht auf einem Hof in der Nähe von Minden-Lübbecke um 1920 beim Backen von Pickert, einer regionalen Spezialität, die aus einer Art dickem Pfannkuchen aus Kartoffeln und Mehl besteht.

 

6 Ein Stückchen Geborgenheit
Mägde und Knechte arbeiteten manchmal viele Jahre auf dem gleichen Hof, manchmal wechselten sie aber auch alle paar Monate ihre Arbeitsstelle. Ihre gesamte Habe, wie Kleider, Erinnerungsstücke, Gebetbuch und Zeugnisse, bewahrten sie in einer Holztruhe wie dieser hier aus der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, die leicht zu transportieren war. In ihrer Kammer auf dem jeweiligen Hof ersetzte die Truhe einen Kleiderschrank. Eingeklebte Bilder auf der Innenseite des Truhendeckels schufen in der fremden Umgebung etwas Privatsphäre und Heimatgefühl.

 

7 Wenn Wünsche Bilder werden
Häufig suchen sich Menschen nicht die Bilder als Wandschmuck aus, die ihre eigene Lebensrealität beschreiben, sondern sie wählen Bilder, die ihre Wünsche zeigen. So auch hier: Während die Bilder an der Wand eines Berliner Wohnraums um 1913 das sorglose Leben von bürgerlichen Frauen darstellen, müssen die Frauen, die in dieser Wohnung leben, für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Sie sind Heimarbeiterinnen und stellen in Lohnarbeit Dekorationsartikel her.

 

8 Erinnerungen an eine bessere Zeit?
Wohnen, Schlafen, Essen – in dieser Berliner Elendswohnung im Jahr 1913 findet alles in einen Raum statt. Aber selbst hier waren gerahmte Drucke zu finden, wie man sie an  der linken Wand sieht. Vielleicht haben die Bewohner sie aus einer Zeit gerettet, als es ihnen noch etwas besser ging.

 

9 Geschichten in Bildern
Gedruckte Bilder wurden schon früh bei der Erziehung von Kindern eingesetzt. Mit Hilfe von Bildern wurden sie mit den Geschichten der Bibel, fremden Ländern oder exotischen Tieren bekannt gemacht. Daher fanden sich auch in den Schulen viele Bilder an den Wänden. So auch in der Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule in Münster im Jahr 1937.