Clemens Sels Museum Neuss

Neupräsentation der Kunstsammlung

Unter dem Motto „Erlebniswelten" wurde die Neupräsentation der Kunstsammlung im Clemens-Sels-Museum Neuss mit zahlreichen Aktionen feierlich eröffnet. Die Schätze sollten ab diesem Zeitpunkt durch eine gattungs- und epochenübergreifende Zusammenstellung neue und überraschende Eindrücke und vielfältige Erkenntnisse vermitteln. Denn wo sonst gibt es in unserem schnelllebigen und bilderüberfluteten Alltag noch visuelle Entdeckungen zu machen als im Museum! Die Unvergleichlichkeit des originalen Kunstwerks hat auch in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit nichts an Faszination verloren. Dieses Potential galt es, im Rahmen der Neupräsentation auszuschöpfen.

Die ausgesuchte Zusammenstellung der Exponate, die durch Ausflüge in die Kulturgeschichte bereichert wurde, ermöglichte es, den Blick für das Besondere zu schärfen, Neugierde zu wecken und zu lebhaften Diskussionen anzuregen. So gab es etwa ein Wiedersehen mit Werken von Johan Thorn Prikker: Neben dem bekannten Gemälde „Der Tauzieher" waren sowohl großformatige Fensterentwürfe für die Neusser Dreikönigenkirche als auch ein von ihm entworfenes Schmuckkästchen mit Holzintarsien zu sehen, die seine charakteristische ornamentale Formsprache in den verschiedenen Gattungen erkennen ließen. Seine Kunstwerke leiteten über zu den Arbeiten seines namhaften Schülers Heinrich Campendonk, dessen monumentaler „Heiliger Julian" nach umfangreicher Restaurierung seine ursprüngliche Strahlkraft wiedererlangt hat. Darüber hinaus lieferten eine unvollendete Zeichnung und eine verworfene Gemälderückseite intime und einmalige Einblicke in den Schaffensprozess dieses bedeutenden Rheinischen Expressionisten.

Auch Max Ernst, der sich aus dem Umfeld des Rheinischen Expressionismus zu einem der namhaftesten Surrealisten in Paris entwickelt hatte, wurde im Rahmen der Neupräsentation ein eigenes Kabinett temporär eingerichtet. Damit erhielt die umfangreiche grafische Sammlung des Clemens-Sels-Museums Neuss erstmals einen festen Präsentationsort.

Die Werke von Max Ernst lieferten Einblicke in die poetischen Experimente und das intellektuelle Umfeld des weltberühmten Künstlers. Seine Bilder wurden ergänzt durch Bücher von Paul Eluard und André Breton, die mit Max Ernst im Kreise der Pariser Surrealisten verkehrten. Dank der großzügigen Leihgabe von Dr. Irmgard Feldhaus wurde die Ausstellung durch die wertvolle Originalausgabe des legendären Collageromans „La Femme 100 Têtes" von Max Ernst aus dem Jahr 1929 bereichert. Die 146 Collagen und Texte des Romans gelten als visuelles Manifest des Surrealismus. Die besondere Wechselwirkung zwischen Kunst, Literatur und Musik konnten die Besucher durch eine Hörstation erleben, an der Auszüge aus der berühmten Vertonung von „La Femme 100 Têtes" des amerikanischen Komponisten George Antheil zu hören waren. Diese surreale Musikcollage von 1932 bis 1933 ließ akustische Assoziationen und Traumbilder zu den Illustrationen von Max Ernst entstehen.

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