Das Röntgenbild als Beitrag zur Entstehungsgeschichte
Je tiefer wir unter die Oberfläche blicken und die Malschichten mit unterschiedlichen Techniken und Licht beleuchten, desto mehr können Expert*innen zu der Entstehung eines Bildes neue Dinge in Erfahrung bringen.
So sind die Haare der Madonna von Rogier van der Weyden an der rechten Schläfe untypisch gelockt – sie sind nach vorne gedreht und entsprechen in dieser Form eher einer Haarmode des 19. Jahrhunderts als den meisten nach hinten gedrehten Frisuren aus der Entstehungszeit. Das Röntgenbild ergab dennoch keinen Hinweis auf eine unter den Locken befindliche andere Komposition und ist damit ein Zeugnis von künstlerischer Manier Rogier van der Weydens und dessen Umkreis.
Es gibt zudem keinen Hinweis auf Korrekturen außer bei den Augen der Madonna, die in einer ersten Untermalung etwas mehr geöffnet gewesen sein mögen. Stilistisch wurde wenig im Laufe der Jahre verändert, sogar die Perlendekors an den Handgelenken, Mantelsäumen und Haarschmuck sind noch gut erhalten. Das ehemals blaue nun schwärzliche Gewand stellt sich im Röntgenbild hell dar, was auf einen Metallanteil im Blaupigment zurückzuführen sein könnte. Die Verwendung dieses speziellen Pigments verrät dir eine ganze Menge: die Künstler*innen waren geübte Alchemisten und mussten aufwendig Farbpigmente anmischen.
Die filmische Überblendung des Röntgenbildes mit dem Gemälde zeigt dir wie durchdacht der Künstler sein Bild von Anfang an angelegt hat.